Eine wechselvolle Geschichte


Im 19. Jahrhundert war die Inanspruchnahme ärztlicher Leistungen für die meisten Menschen sehr teuer. Viele konnten sich “den Arzt“ überhaupt nicht leisten. Daraus ergab sich das Bedürfnis, naturnahe Behandlungsverfahren anzuwenden und diese Methode den Menschen allgemeinverständlich nahe zu bringen. Mehr und mehr setzte sich die Erkenntnis durch, dass vorbeugende gesundheitsfördernde Maßnahmen weniger krankheitsanfällig machen. Mit den Behandlungsmethoden der etablierten “geschäftigen“ Ärzteschaft war man unzufrieden, da sie mit allopathischen Medikamenten nicht die Ursache, sondern nur die Symptome einer Krankheit behandelten. 

Das führte zu vielfältigen Aktivitäten zur Förderung der Naturheilkunde. So wurde auch in Wiesbaden schließlich, im Jahre 1897, ein Jahr nach Gründung des Kneipp-Bundes, ein Kneipp-Verein gegründet. Das früher angenommene Gründungsdatum 1877 hat sich, nach neueren Forschungen von Dr. Neese, als unzutreffend herausgestellt. 

Früh hat sich der neu gegründete Verein durch Aufklärung und praktische Aktivitäten, wie Abhärtungs-, Bewegungs- und Sportangebote der Gesundheitspflege und der naturgemäßen Lebens- und Heilweise verschrieben. 

Innerhalb von nahezu 120 Jahren hat es mehrere Namensänderungen in der Vereinsbezeichnung gegeben. 1940 musste die Eigenständigkeit aufgegeben werden. Der Verein wurde in die nationalsozialistische Gesundheitsorganisation eingegliedert. Nach dem 2. Weltkrieg keimte die Idee der vorbeugenden Gesundheitspflege wieder auf. 

1949 wurde der Verein wieder neu ins Leben gerufen. 1976 schlossen sich der Priessnitz-Verein und der Kneipp-Verein zum Priessnitz-Kneipp-Verein Wiesbaden e.V.“ zusammen. Im Jahre 2010 wurde der Vereinsname abermals geändert. Er trägt seither den Namen: 

"Kneipp-Verein für naturgemäße Lebens- und Heilweise Wiesbaden e.V.", Kurzform "Kneipp-Verein Wiesbaden e.V.".

Der Namensgeber des Vereins, Sebastian Kneipp (1821 – 1897) war ein bayrischer Priester und Hydrotherapeut. Nach erfolgreichen Eigenanwendungen entwickelte er im Laufe seines Lebens ein umfassendes Gesundheitsprogramm. Erst auf Drängen von Freunden (so in der Einleitung) fasste er in vorgerücktem Alter seine Erfahrungen in dem Werk „Die Wasserkur“ zusammen, das im Jahre 1886 erschien und bis 1982 eine Auflage von 675 Tausend erreicht hat (ohne fremdsprachige Ausgaben). 

Auch Vincenz Prießnitz (1799 – 1851) ist der Verein sehr verbunden. Prießnitz gilt als Schöpfer der Hydrotherapie. Er wirkte in Gräfenberg bei Freiwaldau in Schlesien. Prießnitz behandelte sowohl mit kalten als auch mit warmem Wassern. Noch heute schätzt man die wohltuende Wirkung von Schwitzpackungen und die so genannten Prießnitzwickel (Umschläge).